Maja Guldenfels
Maja Guldenfels

Maja Guldenfels

«Uns verbindet die Begeisterung und der Ehrgeiz, etwas Neues zu schaffen.»

DATUM: 14. August 2025

Programmleiterin Daniela Ganter und Sarah Kägi, Projektleiterin digitale Lernmedien beim Klett und Balmer Verlag, haben sich in jüngerer Zeit mit digitalen Lehrmittelprojekten beschäftigt. Im Interview erzählen sie, wie sie gemeinsam mit LerNetz Herausforderungen gemeistert, ein komplett digitales Lehrmittel umgesetzt und in die Volksschule gebracht haben.

Sarah und Daniela vom Klett Verlag im Interview
Sarah und Daniela vom Klett Verlag im Interview
Blicken wir zuerst zurück. Klett und Balmer hat seit 2018 mit «digiOne» ein komplett digitales Lehrwerksformat entwickelt. Wie kam es zu diesem Schritt?

Daniela: Die Entwicklung von «digiOne» war unsere Antwort auf die wachsenden Erwartungen und teilweise konkreten Forderungen aus dem Bildungsumfeld und die Entwicklungen am Markt. Die blätterbaren Versionen haben ihre Grenzen, damit wollten wir nicht die Zukunft gestalten. Wir wollten ein «echt digitales Lehrmittelformat» entwickeln.

Was hiess das konkret?

Daniela: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein Lehrmittel zu schaffen, das so interaktiv und bildstark ist wie etwa eine an ein jüngeres Publikum gerichtete Online-Zeitung. Aber eben als Lehrmittel mit allen dazugehörenden Elementen. Diese Vision trieb mich an und half zu Beginn, Verlags-intern Unterstützung für das Projekt zu erhalten. Die Realität war dann etwas komplexer.

Welche Herausforderungen habt ihr auf dem Weg erlebt?

Daniela: Der Verlag brauchte zunächst eine grosse Portion Mut. Die Investitionen waren beachtlich und schwierig einzuschätzen, nicht nur in der Entwicklung, sondern auch für den Betrieb. Neben den Inhalten an sich war es sehr wichtig sicherzustellen, dass das System zuverlässig läuft und alle Anforderungen an den Datenschutz erfüllt wurden.

Sarah: In der Umsetzung war es besonders herausfordernd, die Inhalte der Printausgaben digital so aufzubereiten, dass die Lernziele und die Didaktik sichergestellt werden konnten und praxisnah sind. Es brauchte kreative Lösungen, vor allem auch um die Vorzüge des Digitalen nutzen zu können. Zum Zeitpunkt der Entwicklung hielten wir am Ziel fest, unsere Lehrmittel in zwei Varianten, gedruckt und digital, anzubieten, damit die Lehrpersonen wählen konnten, wie sie arbeiten möchten mit ihren Klassen.

Daniela: Der Markt hat dann recht bald gezeigt: Eine rein digitale Lösung findet zwar ihre Anhänger, funktioniert in der Volksschule aber in der Breite nur bedingt in den Hauptfächern. Deshalb blieben die Printausgaben weiterhin wichtig.

Abgesehen von dieser Erkenntnis: Was habt ihr aus «digiOne» mitgenommen?

Daniela: «digiOne» hat unsere Innovationskraft massgeblich gestärkt. Wir erhielten am Markt viel Aufmerksamkeit und positives Feedback. Der grösste Gewinn war jedoch das tiefergehende Verständnis, einerseits für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht, anderseits für Herausforderungen und Vorteile in einer digitalen Umsetzung der Inhalte. Das alles hat uns in der aktuellen Weiterentwicklung unserer Lehrwerke zum «digitalen Raum» stark geleitet.

Bevor wir zum «digitalen Raum» kommen: LerNetz durfte euch von Beginn weg als Partnerin begleiten. Was zeichnet die Zusammenarbeit bis heute aus?

Sarah: Wir haben mit «digiOne» in kurzer Zeit viel erreicht, weil wir Schritt für Schritt vorgegangen sind, konzeptionell ein starkes Team bilden und gegenseitiges Verständnis aufgebaut haben. Uns verbindet die Begeisterung und der Ehrgeiz, etwas Neues zu schaffen, das den Unterricht für Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler bereichert.

Gab es auch Stolpersteine?

Sarah: Natürlich. Gerade zu Beginn galt es zu definieren und immer wieder zu justieren, wie wir zusammenarbeiten und kommunizieren. Dabei half es, dass das Team auf beiden Seiten konstant blieb. Wir hatten Zeit, uns gegenseitig kennenzulernen. LerNetz hat sich gut in die Herausforderungen der Lehrmittelentwicklung in der Volksschule eingedacht — mit seinen komplexen Anforderungen an Systemstabilität, Datenschutz und langfristige Wirtschaftlichkeit.

Und was habt ihr umgekehrt von LerNetz gelernt?

Sarah: Die agile Sprintplanung war für uns neu — sie hat uns geholfen, Projekte effizient und flexibel vorwärtszutreiben. Und ganz allgemein: Ein Gespür dafür zu entwickeln, was technisch machbar ist, wie man den Aufwand von Programmierungen, UX usw. besser einschätzen kann und wie sich Prozesse oder Umsetzungslösungen vereinfachen lassen, ohne an Qualität zu verlieren.

Im Mai 2025 habt ihr nach eineinhalb Jahren gemeinsamer Entwicklungsarbeit mit LerNetz den «digitalen Raum» als Teil eines neuen hybriden Ausgabeformates lanciert. Was ist die Motivation hinter dieser neuen Lösung?

Daniela: Wir sehen, dass rein digitale Produkte im Schulalltag an Grenzen stossen — sei es durch Infrastruktur, fachspezifische Anforderungen oder persönliche Präferenzen. Der digitale Raum ist eine neue attraktive und im Konzept von Anfang an integrierte Plattform zur Printausgabe jedes neuen Lehrmittels. Print und Digital bilden eine Einheit, inhaltlich wie optisch. Die Methodenfreiheit bleibt bestehen, das ist uns wichtig. Das Lehrmittel orientiert sich damit in erster Linie am gelebten Alltag in den Schulen.

Sarah: Neben den digitalen Inhalten für die Schüler und Schülerinnen sowie für die Lehrpersonen bieten wir zum Beispiel online Selbstbeurteilungen, Lernstandsübersichten und mehr Möglichkeiten zur Niveaudifferenzierung. Für die Lehrpersonen haben wir die unterschiedlichen Inhalte des Begleitbandes genau an den Stellen verortet, wo man sie im Alltag braucht. Der digitale Raum ist flexibel ausbaubar, so dass wir auf kommende Bedürfnisse reagieren können.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Welche digitalen Trends werden eurer Meinung nach die nächsten zehn Jahre prägen?

Daniela: Die Künstliche Intelligenz wird künftig noch eine viel grössere Rolle spielen. In welchen Funktionen und Ausprägungen — das können wir noch nicht abschätzen. Aber auch hier gilt: in machbaren Schritten vorangehen, für die Schulen und für den Verlag. Zunächst freuen wir uns auf die Lancierung des «digitalen Raums». Er ist nicht nur funktional durchdacht, wir haben auch grosse Freude an der visuellen Umsetzung!

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Einblick in den digtialen Raum von «New World 3».
Einblick in den digtialen Raum von «New World 3».
Digitaler Raum «Mathbuch» und «New World 3»

Ende Mai hat der Klett und Balmer Verlag den digitalen Raum des neuen «Mathbuchs 1» und des Englischlehrmittels «New World 3» für die 7. Klasse publiziert. Videotutorials führen in die digitalen Inhalte des Mathbuchs und des Englischlehrmittels ein.

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Der Klett und Balmer Verlag

Der Klett und Balmer Verlag mit Sitz in Baar ist ein in der Schweiz verankerter und gleichzeitig international vernetzter Lehrmittelanbieter mit einem umfassenden Sortiment mit Schwerpunkt in der Volksschule. Mit rund 900 Eigenentwicklungen gehört er zu den grössten Lehrmittelanbietern der Schweiz.

Schoggi
Eigentlich lieben wir ja Schokolade, aber darf es auch einmal ein Cookie sein?